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Macha Macha – Die Matcha-Oase am Hermannplatz

Im Norden Neuköllns ist das Macha Macha seit Oktober 2014 die Anlaufstelle für alle Freunde von Matcha, Gyokuro und Sencha. 17 unterschiedliche Bio-Tees sowie ein einzigartiges Ambiente mit traditionell inspiriertem Teeraum laden dazu ein, den Berliner Alltag für einen kurzen Moment hinter sich zu lassen.
Im einzigen, ausschließlich auf japanischen Tee spezialisierten Teeraum der Hauptstadt haben wir uns mit dem Gründer Erik Spickschen über Matcha sowie das Konzept des Macha Macha unterhalten.

Portrait&MatchaLatte

Hallo Herr Spickschen, wann trinken Sie gerne einen Matcha?
Sehr gerne nach dem Mittagessen. Und ab und zu auch morgens, wenn ich mir etwas
Besonderes gönnen oder gleich einen starken „Push“ geben möchte.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Schale Matcha?
Das war 1995. Ich war zum ersten Mal in Japan, und in einem Kulturzentrum wurde eine
kostenlose Teezeremonie angeboten. Ganz klassisch. Zuerst gab es eine Süßigkeit – die ich
viel zu süß fand, aber dann kam der bittere Matcha und im Mund wurde beides zu einer
angenehmen Harmonie.

War es Liebe auf den ersten Schluck?
Das kann man sagen, es hat mir bereits beim ersten Mal richtig gut geschmeckt.

MatchaSchale

Das wir heute hier im Macha Macha sitzen war vor ein paar Jahren noch nicht absehbar.
Ursprünglich kommen Sie aus einem völlig anderen Berufsfeld. Sie haben mit einem Partner
2005 ein erfolgreiches Jobportal gegründet, aus dem Sie 2012 ausgestiegen sind, um eine
Pilgerreise auf der japanischen Insel Shikoku anzutreten. Das hört sich nach einer
klassischen Aussteigergeschichte an.

Nicht ganz. Mir ist einfach klar geworden, dass meine spezielle Leidenschaft darin liegt,
Neues zu starten und weniger bereits etablierte Konzepte zu optimieren.
Ich hatte damals sehr gute Nachfolger gefunden, was mir die Freiheit gab, mich nach etwas
Neuem umzuschauen. Das war auch ein Ziel der Pilgerwanderung: Einfach mal ganz neu
nachdenken und schauen, ob es irgendwelche Inspirationen gibt.

Die Sie dann auch gefunden haben …
Es fing damit an, dass ich während der Wanderung Lust auf einen grünen Tee bekam und
dachte, es sollte in Japan eigentlich kein Problem sein, einen guten Tee zu bekommen.
Tatsächlich gab es aber überall nur noch Starbucks oder andere Coffee-Shops und ich fing an
mich zu fragen, warum das so ist.
Ein oder zwei Tage später stieß ich auf einen Zeitungsartikel der Japan Times, in dem stand
dass der Konsum von grünem Tee in Japan seit dreißig Jahren rückläufig ist, während Kaffee
und schwarzer Tee immer beliebter werden. Grüner Tee habe eher ein Großvater-Image, was
ich ein bisschen traurig fand.
Beim Abendessen in einer Pilgerherberge saß ich dann eines Abends neben einem
japanischen Pilger, der, wie sich herausstellte, ein pensionierter Tee-Großhändler war. Er
bestätigte mir, dass der grüne Tee in Japan ein Problem habe. Auch weil immer mehr billiger
Tee aus PET-Flaschen getrunken und gerade die qualitativ hochwertigen Tees weniger
nachgefragt werden. Er war der Meinung, dies ließe sich nur ändern, wenn der grüne Tee im
Ausland populär und quasi als „neuer“ Trend zurück nach Japan schwappen würde.
So ist die Idee für einen Teeraum speziell für japanischen Tee entstanden, den wir dann etwa
zwei Jahre später hier in Berlin eröffnet haben.

Haben Sie sich bereits zuvor intensiver mit japanischem Tee beschäftigt, oder mussten Sie
sich erstmal in die Materie einarbeiten?

Ich habe seit dem Studium Sencha getrunken, aber so richtig intensiv habe ich mich
tatsächlich erst seit 2012 damit beschäftigt. Ab da habe ich dann Bücher gelesen, an
Seminaren teilgenommen, in Japan Teebauern getroffen und auch die größte Grüntee-Auktion
Japans in Shizuoka besucht.
Mittlerweile habe ich einen sehr guten Partner in Japan, der die meiste Arbeit vor Ort
übernimmt. Seine Familie baut seit Generationen grünen Tee an und er selbst ist ein
erfahrener Tee-Meister und Tee-Händler. Von ihm beziehe ich knapp 90% meiner Tees.

Welche Matcha-Produkte kann man zur Zeit im Macha Macha bekommen?
Momentan habe wir fünf verschieden Sorten Matcha (in unterschiedlichen Qualitätsgraden),
die man auch als Matcha-Latte (heiß oder kalt) bestellen kann. Dann haben wir noch Matcha
Desserts, wie den Matcha Cheesecake und Matcha Float (eine Kombination aus Matcha,
Vanilleeis, süßer Anko-Bohnenpaste und Castella-Kuchen).

MatchaCheesecake

Und wie reagieren neue Gäste, die bisher keine Erfahrungen mit echtem Matcha gemacht
haben?

Für Gäste, die bisher nur den grünen Tee aus dem Supermarkt kannten, ist es eine
Überraschung hier ein ganz anderes Geschmackserlebnis zu haben. Der Umami-Geschmack
des japanischen Tees ist für einige erstmal ungewohnt, aber sie lernen es meist sehr schnell zu
schätzen. Tatsächlich ist einer unserer populärsten Grüntees ein japanischer Bergtee, der ein
besonders intensives Umami-Aroma hat.
Der erste Matcha ist für die meisten ein richtig positives Erlebnis. Und das nicht nur
geschmacklich. Viele Gäste sagen, dass der Tee ihnen insgesamt gut tut, dass er sie irgendwie
„öffne“. Das sind dann natürlich auch schöne Erlebnisse für uns.

Ich denke viele Deutsche können sich unter Umami, der so genannten „fünften
Geschmacksqualität“, nicht viel vorstellen. Wie würden Sie versuchen den Matcha
Geschmack zu beschreiben?

Das müssen wir hier im Macha Macha tatsächlich öfter mal tun. Ich beschreibe ihn meist so,
dass ich sage: „Es schmeckt ein bisschen gemüsig. Vielleicht auch ein bisschen nach Algen
und Meer“. Es ist auf jedem Fall nicht das, was man sich traditionell unter einem schwarzen
Tee mit Milch und Zucker vorstellt.
Am einfachsten ist es, wenn wir die Gäste einmal kurz an einer Probierdose riechen lassen,
dann bekommen sie einen ganz guten Eindruck.

Einige Firmen die in Deutschland Matcha anbieten, bewerben ihn als Lifestyle-Produkt, das
z.B. die Leistungsfähigkeit steigern soll, frei von spirituellem „Ballast“. Mit dem Macha
Macha scheinen Sie einen anderen Weg gehen zu wollen.

Bei uns geht es nicht allein darum Tee zu trinken. Macha Macha ist ein Gesamtkonzept, das
Tee mit Ruhe, Frieden und Kontemplation verbindet. Deshalb haben wir im hinteren Bereich
auch einen traditionell eingerichteten Teeraum, in dem keine Handys oder Computer benutzt
werden sollen. Wir möchten unseren Gästen ganz bewusst das Angebot machen, den Alltag
für 15 Minuten hinter sich zu lassen.

Teeraum

Sie beschäftigen sich auch privat mit Zen-Buddhismus. Finden sich Elemente aus diesem oder
der japanischen Teezeremonie im Macha Macha wieder?

Ich würde mir jetzt nicht anmaßen zu sagen, dass wir jeden Matcha wie in der klassischen
Teezeremonie zubereiten. Ein Teemeister muss schließlich bis zu 10 Jahre üben, bis er die
Natürlichkeit und Sicherheit der Bewegungen beherrscht. Nichtsdestotrotz kann man natürlich
einzelne Elemente der japanischen Teezeremonie auch bei uns erleben. Beispielsweise die
Art, wie wir unseren Matcha anbieten nämlich ganz traditionell mit dem Chasen (einem
Bambusbesen) aufgeschlagen und in einer Teeschale serviert. Wenn man seinen Matcha dann
noch auf den Tatamis im hinteren Teeraum genießt, erinnert das schon ein bisschen an die
Atmosphäre einer japanischen Teezeremonie.

Ich finde das spiegelt sich auch in der Einrichtung des Macha Macha wieder, wo Sie den
Schwerpunkt offenbar auf schlichtes Design gelegt haben.

Das stimmt. Die Grundidee der Raumgestaltung, also reduzierte Form, ein gewisser Purismus
sowie die Verwendung von Holz und Papier, ist schon sehr japanisch.

… und dient wahrscheinlich auch der Ruhe und Konzentration auf den Tee?
Genau. Wobei der vordere Raum bewusst ein Ort der Begegnung seien soll. Hier können die
Gäste gerne auch telefonieren oder an ihrem Computer arbeiten. Gelegentlich spielen wir
sogar ein bisschen Musik.

Aha, und was für Musik passt am besten zu einer Schale grünem Tee?
Haha, … Wie das so ist mit dem Geschmack, gibt es da natürlich kein „richtig“ oder „falsch“.
Bei uns sind das unterschiedliche Sachen. Wir spielen ruhige japanische Musik, jazzigen
Swing von Jack Teagarden, oder auch fast schon meditativen Electro a la Lemongrass.

MachaMachaEingang

Matcha wird in Deutschland ja generell als besonders gesundes Getränk angepriesen. Welche
Rolle spielen für Sie die gesundheitsfördernden Eigenschaften, die man Matcha zuschreibt?

Die finde ich sehr wichtig. Mittlerweile gibt es ja auch einige westliche Studien die grünem
Tee im allgemeinen und Matcha im Besondern u.a. krebsvorbeugende Fähigkeiten
zuschreiben. Ich glaube fest daran, dass es tatsächlich gut für die eigene Gesundheit ist,
Grüntee zu konsumieren. Dies ist einfach ein schöner Nebeneffekt. Trotzdem ist das Macha
Macha kein „Gesundheitsladen“.

Dennoch haben Sie sich auch dazu entschieden, hier ausschließlich Bio-Tee anzubieten. In
Japan ist der biologische Anbau von Tee jedoch noch relativ wenig verbreitet. Ist es nicht
schwierig, aufgrund des begrenzten Angebots, guten Bio-Matcha zu finden?

Es war in der Tat anstrengend. Mittlerweile haben wir jedoch fast zwanzig Grüntees, darunter
auch Matcha, in Bioqualität, also ohne Pestizide und Kunstdünger zusammengetragen, die
wirklich gut schmecken.
Aber es stimmt, es ist nicht einfach und man muss zugeben: Es gibt bestimmte Teearten, wie den Gyokuro, bei denen die konventionell angebauten Tees einfach noch ein bisschen besser schmecken. Es ist einfach nicht so leicht den Umami-Geschmack ohne Kunstdünger in die Pflanzen zu bekommen, hierzu benötigen sie ganz viel Stickstoff.
Allerdings bin ich der Überzeugung, dass wir alles dafür tun sollten unsere Lebensmittel
wieder auf natürliche Weise anzubauen, und ich glaube fest daran, dass dies auch möglich ist.
Biologischer Teeanbau ist in Japan noch relativ jung und dafür sind die Teebauern bereits
gute Schritte vorangekommen. Das sollte man unterstützen.

Tee-Utensilien01

Es scheint als wollten Sie mit dem Macha Macha auch etwas von der japanischen Kultur
nach Deutschland holen. Sie haben nicht nur japanische Angestellte eingestellt, sondern u.a.
auch Teezeremonien und Ikebana Kurse ausgerichtet. Außerdem verkaufen sie Teeschalen
japanischer Keramik-Künstler. Ist Tee ein gutes Medium um kulturellen Austausch zu
betreiben?

Ja, klar. Der grüne Tee ist Teil der japanischen Kultur, deswegen ist es für mich sinnvoll
beides miteinander zu kombinieren. Es ist durchaus gewollt, dass die Menschen hier auch
etwas über japanische Künste, wie die Teezeremonie oder Ikebana erfahren können. Letztlich
sind dies ja auch spirituelle Wege und insofern passt das gut zu unserem Gesamtkonzept.
Die meisten von uns sind keine Zen-Meister, deswegen glaube ich, sind diese Künste gute
Übungen, um innere Balance und Stille zu gewinnen. Natürlich gibt es zum Beispiel auch
christliche Kontemplation, aber mich ziehen eben diese japanischen Wege sehr an.

Damit stehen Sie nicht allein. Was glauben Sie ist es, was diese Übungen für viele Deutsche
anziehend macht?

Hmm … Vielleicht liegt es daran, dass es fremder ist. Es ist ja auch oft so, dass man im
Ausland viel leichter Dinge verstehen oder sehen kann, weil man mit einem ganz neuen Blick
auf diese schaut. In unserem eigenen Alltag sind wir oft so gewohnheitsmäßig unterwegs,
dass uns vieles gar nicht mehr auffällt. Möglicherweise hilft es Dinge noch bewusster und
achtsamer zu begehen wenn sie aus einer fremden Kultur stammen oder eine ungewohnte
Bildsprache besitzen.

Sie sind Teil des Netzwerks „Achtsame Wirtschaft“, das eine buddhistisch inspirierte
Wirtschaftsethik mit „sinnvollen Zielen“ fördern möchte. Was sind die „sinnvollen“ Ziele des
Macha Macha?

Es ist ein Grundziel von mir, dass ich wirtschaftliche Projekte starte, die nicht mehr die reine
Gewinnmaximierung als Ziel haben, sondern in irgendeiner Form etwas Sinnvolles für unsere
Welt leisten sollen. Natürlich muss es sich irgendwann auch selber tragen, aber in erster Linie
ist das Macha Macha für mich ein Erfolg, wenn wir vielen Menschen die Vorteile des grünen
Tees nahe bringen und einen Raum der Stille und Besinnung schaffen können. Eine schöne,
kleine, grünteeunterstütze Ruheoase am Hermannplatz.
Ich denke, grüner Tee hat zudem viele gesundheitlich positive Effekte. Kaffe schmeckt gut,
ist aber definitiv nicht gesund. Gerade wenn man ihn in großen Mengen trinkt. Wenn das
Macha Macha dazu betragen kann, dass ein etwas höherer Prozentsatz der Menschen
stattdessen mehr Matcha und anderen grünen Tee trinkt und deshalb gesünder lebt, wäre das
eine richtig „sinnvolle“ Sache.

Das Interview führte Michael Schön für Matcha-Tee.org

MachaAussen02Macha Macha
Hasenheide 16
10967 Berlin

Öffnungszeiten:
Mi-Sa: 12:00-19:00 Uhr
So: 13:00-18:00 Uhr

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2 comments

  1. Beim diesjährigen Japan Festival habe ich den Macha genießen können und war begeistert. Da ich in Berlin Wannsee wohne komme ich kaum zum Hermannplatz. Ich werde mir jetzt die Zeit dazu nehmen.

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