Matcha, Sencha, Genmaicha und Co im Mamecha Café Berlin

Mamecha – Berlins erstes Matcha & Grüntee Café

Seit 2010 gibt es in Berlin ein Lokal, das die Liebe zum Grünen Tee bereits im Namen trägt: Das Green Tea Café Mamecha.
Besitzer Hide, seit seiner Kindheit ein Fan des japanischen Tees, hatte bereits als Koch in Japan und Deutschland gearbeitet. Seine Partnerin Moe, eigentlich eine gelernte Maskenbildnerin, konnte auf langjährige Erfahrungen im japanischen Restaurant ihrer Eltern zurückgreifen. Trotzdem war die Eröffnung des ersten Grüntee Cafés Berlins ein Experiment, dessen Ausgang zum damaligen Zeitpunkt niemand vorhersagen konnte.
Fünf Jahre später ist das Mamecha eine feste Institution, in einer Stadt, in der nahezu täglich neue Lokale eröffnen und ebenso viele wieder schließen müssen.
Wir haben uns mit Hide und Moe in ihrem neu eröffneten Tee & Teezubehör-Shop („Mamecha no tonari“, „Neben dem Mamecha“) getroffen, um uns über Matcha und das Konzept ihres besonderen Cafés zu unterhalten.

Hallo Hide und Moe! Erinnert Ihr euch noch, wo Ihr Euren ersten Matcha getrunken habt?

Moe: So genau kann ich mich da gar nicht mehr erinnern. Vermutlich war das während einer  Teezeremonie.
Hide: Hmm, bei mir war das so mit 13 oder 14 Jahren im Haus meiner Eltern. Ich habe bereits als Kind gerne grünen Tee, wie Sencha oder Genmaicha, getrunken. Matcha habe ich allerdings erst zu dieser Zeit kennengelernt. Er wird auch in Japan nicht häufig getrunken. Zufälligerweise hatten wir einen Rest Matcha-Pulver im Haus und ich habe mir, ohne wirklich zu wissen wie es geht, meine erste Schale Matcha gemacht.

Und wie hat es Dir geschmeckt?

Hide: Schlecht! Haha. Ich wusste ja überhaupt nicht, wie man ihn richtig zubereiten muss. Das Pulver war zudem schon sehr alt und die Qualität war ebenfalls nicht besonders gut.

Matcha und Süßigkeiten im Mamecha Grüntee Café Berlin

Offenbar konnte Dich diese Erfahrung aber nicht abschrecken. Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dein eigenes Green Tea Café aufzumachen? Ihr wart ja, soweit ich weiß, die Ersten, die in Berlin ein Grüntee-Lokal eröffnet haben.

Hide: Das war ein bisschen auf gut Glück. Es gab in Berlin schon viele japanische Restaurants, aber kaum guten Tee. Bei einigen stand er zwar auf der Karte, aber die Qualität war nicht gut und es wurde nicht viel Wert auf die Zubereitung gelegt.
Bevor wir das Mamecha eröffnet haben, habe ich für kurze Zeit als Kellner in einem Berliner Sushi-Restaurant gearbeitet. Hier hatte ich viel Kontakt mit den Gästen und spürte, dass viele gastronomisch etwas Neues suchten. Neues Essen und neue Getränke.
Moe: Wir waren trotzdem überrascht, dass es so gut ankommt und die Deutschen den japanischen Tee so sehr mögen. Wir dachten, dass die meisten wahrscheinlich Zitrone, Honig oder ähnliches untermischen wollen. Aber das kam bislang wirklich sehr selten vor.

Grüner Tee und Matcha im Besonderen sind ja gerade recht angesagt. Was haltet Ihr vom gegenwärtigen Matcha-Boom und der Werbestrategie Matcha als neues „Super-Food“ zu verkaufen?

Moe: Also, für uns ist Matcha eigentlich nichts Neues, es gibt ihn ja schon seit Jahrhunderten in Japan. Wenn man ihn nun als „Super-Food“ verkauft, ist das schon ein bisschen seltsam. Ich glaube nicht, dass viele Japaner Matcha trinken, weil er so gesund ist, sondern weil ihnen einfach die Farbe gefällt und er gut schmeckt. Es ist, wie Hide schon sagte, auch kein Tee, den man jeden Tag trinkt.
Hide: Ein Matcha-Boom ist prinzipiell nicht schlecht für uns. Schließlich lernen so viele Menschen Matcha kennen. Anderseits hält so ein Trend meist nur für sehr kurze Zeit und im nächsten Jahr interessiert sich niemand mehr dafür. Matcha ist aber kein Modegetränk, sondern Teil einer Kultur. Als Tee trinkt man ihn in der Regel während der Teezeremonie oder wenn man besondere Orte besucht, beispielsweise einen stillen japanischen Garten oder einen alten Tempel.

Kann man traditionell zubereiteten Matcha in japanischen Cafés überhaupt bestellen?

Moe: Seit etwa 10 Jahren gibt es in Japan auch spezielle Grüntee Cafés. Bisher war es so, dass sich die dortigen Cafés nicht wirklich von westlichen Cafés unterschieden haben. Aber jetzt gibt es sogenannte Wa-Cafés, also japanische Cafés, in denen Senchas, traditionelle Süßigkeiten und eben Matcha angeboten werden. Das war auch eine kleine Inspiration für uns.
Was es in Japan überall sehr häufig gibt, sind Matcha-Getränke wie Matcha-Latte, Matcha-Frappuchino von Starbucks sowie Lebensmittel und Süßigkeiten mit Matcha-Geschmack wie KitKat.

LatteWindow

Und welche Matcha-Produkte kann man im Mamecha genießen?

Moe: Als Getränke haben wir traditionellen Matcha, Matcha-Latte (den wir sowohl heiß als auch kalt anbieten) und einen Matcha-Cappuccino.
Dann bieten wir noch verschiedene Kuchen mit Matcha an. Standart ist bei uns der Matcha-Cheesecake. Zusätzlich gibt es noch weitere Kuchen, die wir regelmäßig wechseln. Im Sommer hatten wir beispielsweise Matcha-Tiramisu im Angebot. Außerdem gab es bei uns schon einen Chiffon-Cake und Biskuitrollen mit Matcha, eine Matcha-Mousse-Torte oder Matcha-Schokolade.

Matcha Cheesecake im Mamecha Berlin

Backt Ihr Eure Matcha-Kuchen alle selbst?

Moe: Genau, die Kuchen machen wir alle hier. Nur die Schokolade beziehen wir von Freunden, die eine wirklich gute Pâtisserie betreiben.

Woher stammt eigentlich der Matcha, den Ihr im Laden verwendet?

Hide: Wir verwenden zurzeit herkömmlich angebauten Matcha aus Kyoto. Bald bekommen wir noch zwei neue Bio-Matcha aus Kyushu dazu und zum Backen nehmen wir einen weiteren speziellen Matcha. Insgesamt gibt es also vier verschiedene Sorten.

Und wie seid Ihr generell bei der Auswahl Eurer japanischen Tees vorgegangen?

Hide: Als wir mit der Planung des Mamecha anfingen, haben wir selbst viele Tees ausprobiert und Kontakte mit Tee-Herstellern in Japan aufgenommen. Ein Unternehmen hat uns so gut gefallen, dass ich direkt hingefahren bin, um mir alles vor Ort anzusehen. Es herrschte eine sehr gute Atmosphäre und ich konnte wirklich spüren, dass die Mitarbeiter ihren japanischen Tee lieben. Anschließend haben wir viele unterschiedliche Proben bekommen, aus denen wir die besten für das Mamecha ausgewählt haben.

Green Tea Café Mamecha

Was war Euch bei der Eröffnung des Mamecha besonders wichtig?

Moe: Neben grünem Tee in wirklich guter Qualität wollten wir etwas Neues im Bereich japanischer Küche bieten. Hier gibt es kein Sushi, sondern das Essen, das man in Japan auch regelmäßig zu Hause isst, also wenn man nicht als Tourist in Japan lebt.
Hide: Mir ist es zudem sehr wichtig, dass ein Café gemütlich ist. Ich wollte, dass sich auch viele Leute aus der Nachbarschaft hier wohl fühlen. Nicht nur Grüntee-Fans oder Menschen die ohnehin schon von Japan begeistert sind.

War dies auch ein Grund dafür, dass Ihr bei der Gestaltung auf typische Japan-Klischees verzichtet habt?

Moe: Die Räume sind tatsächlich nicht nur japanisch gestaltet, sondern mischen europäische und asiatische Elemente. Viele unserer japanischen Gäste sagen aber, dass dies ein Café sei, dass man so auch in Japan finden könnte.

Stimmt, das Mamecha könnte auch gut in Shimokitazawa – einem Stadtteil von Tokyo – stehen.

Moe: Genau! Das haben auch viele gesagt. Haha.

Grüntee & Matcha Cafe Mamecha in Berlin

Wie genau lief die Planung des Innendesigns ab. Hattet Ihr eine bestimmte Vorlage, an der Ihr Euch orientiert habt?

Hide: Meine Idee war es, das Mamecha wie einen Doma (土間) anzulegen. Dies ist ein Konzept aus der traditionellen japanischen Architektur. Man kann es vereinfacht als den „Eingang“ eines Hauses bezeichnen, allerdings ist es eher ein Zwischenraum zwischen dem Außen- und dem wirklichen Innenbereich. Er ist überdacht, aber es gibt beispielsweise keinen Holzboden oder Dielen, sondern nur Erde oder Beton. Oft befand sich hier die mit Holz beheizte Kochstelle. Im Gegensatz zum eigentlichen Innenbereich eines alten japanischen Hauses kann ein Doma auch mit Schuhen betreten werden. So wie ein Lokal.

Ich weiß, dass Ihr gar nicht unbedingt wollt, dass das Mamecha in größeren Medien erwähnt wird. Was steckt dahinter?

Moe: Wir haben tatsächlich erst kürzlich darüber geredet, ob wir nicht sogar unsere Seite auf einer Online-Bewertungsplattform löschen sollten.
Hide: Für unseren neuen Laden („Mamecha no tonari“), in dem wir unter anderem Tee und Teeutensilien anbieten, ist so eine Seite durchaus gut. Aber ein Café muss in erster Linie bequem sein. Wird man positiv in einer Zeitschrift erwähnt, kommen auf einmal sehr viele Leute, nur weil es gerade „In“ ist. Alles wird chaotisch und ein paar Tage später sind sie wieder weg. Für ein Café ist das nicht ideal. Natürlich verkauft man so kurzfristig mehr, aber die Atmosphäre leidet darunter und ohne eine angenehme Atmosphäre schmeckt auch das leckerste Essen und der beste Matcha nicht gut.
Moe: Als wir hier zu zweit anfingen, haben wir ganz bewusst keine Anzeigen oder Werbung gemacht. Wenn es den Gästen gefällt machen sie von sich aus Werbung. Sie bringen Freunde mit oder erzählen von uns. So dauert es natürlich länger, aber es hat geklappt und heute haben wir wirklich sehr viele nette Stammgäste.

Tori-Chili im Mamecha Grüntee Café in Berlin

Was ist eigentlich die Geschichte hinter dem Namen? Es gibt ja tatsächlich einen Mamecha, aber den hattet Ihr zur Eröffnung noch gar nicht im Angebot.

Hide: Das hängt mit meinem Familiennamen zusammen. Ich heiße Toya. Das erste Kanji Schriftzeichen meines Namens (To) kann auch „Mame“ gelesen werden und bedeutet Bohne. Bohne, wie in Kaffebohne und Tee (Cha) – ich fand das passt perfekt für ein Green Tea Café.
Außerdem klingt der Name für uns sehr gut. Irgendwie niedlich und „rund“.

Und mittlerweile ist der Mamecha ja auch Teil Eurer Getränkekarte. Gibt es eine Sache die Ihr den Lesern abschließend noch mitteilen wollt?

Hide: Also was Tee betrifft … eigentlich finde ich, dass man Tee zu Hause trinken sollte. Haha.
Im Mamecha möchte ich den Gästen gerne die japanische Tee-Kultur vorstellen. Hier kann man ausprobieren, wie man Tee zubereitet und welcher Tee einem am besten schmeckt. Anschließend gibt es nebenan die Möglichkeit, Tee-Blätter und Tee-Geschirr zu kaufen, damit man ihn auch gemütlich zuhause genießen kann.
Moe: Wenn man bei uns Tee bestellt, bringen wir auch immer eine Anleitung an den Tisch, damit die Leute wissen, wie sie sich die zweite und die dritte Tasse selber zubereiten können.
Hide: Außerdem denke ich, die Leute sollten generell mehr zuhause kochen. Haha. Man kann das Essen, wie wir es hier anbieten, mit einfachen Zutaten nachkochen. Ein bisschen Sojasauce, etwas Misopaste, aber sonst braucht man eigentlich nicht viel Exotisches.
Moe: Die Zutaten bekommt man mittlerweile auch alle in Deutschland.

Das heißt, wenn jemand zu Euch kommt, soll er nicht nur hier Tee und Essen genießen, sondern das Ganze auch als Inspiration mit nach Hause nehmen?

Hide: Genau. Vielleicht kann ich dann irgendwann ein Kochbuch schreiben. Haha.

Bento-Box Lunch im Mamecha Berlin

Neben Matcha, Sencha & Co, können Gäste im Mamecha aus diversen Kuchen und japanischen Speisen wählen. Darunter zwei wöchentlich wechselnde Gerichte, von denen jeweils eines als traditionelle Bento-Box serviert wird.

Das Interview führte Michael Schön für Matcha-Tee.org

Grüntee Café Mamecha Berlin ÖffnungszeitenMamecha
Mulackstr. 33
10119 Berlin

Öffnungszeiten:
Mo-Sa: 12:00-20:00 Uhr
(Küche bis 18:00 Uhr)
So & Feiertags: Geschlossen

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